FOKUS

Der Fokus der Yogapsychologie liegt auf der Entfaltung unserer individuellen Potentiale und der Überwindung innerer Blockaden.

ACHTSAMKEIT
Achtsamkeit beschreibt eine bewusste und urteilsfreie Wahrnehmung. Der indische Lehrer Nisargadatta Maharaj sagt: „Durch die uneingeschränkte Akzeptanz von Allem, was möglicherweise auftaucht und somit ganz einfach vorhanden ist, bestärken Sie alles Tieferliegende, an die Oberfläche zu kommen und dadurch Ihr Leben und das Bewusstsein mit seinen eingeschlossenen Energien zu bereichern. Das ist die grenzenlose Wirkung des Gewahrseins“ (Maharaj, 1996).

EMOTIONEN
Bei der Entstehung, Aufrechterhaltung und Überwindung von inneren Blockaden haben Emotionen, bhava, einen bedeutenden Anteil. Beispielsweise können uns Gefühle wie Ängste, Niedergeschlagenheit oder Unsicherheit daran hindern, Entwicklungsschritte zu gehen oder uns für unsere Bedürfnisse einzusetzen. Mit der Praxis der bhavana  integrieren wir die emotionale Dimension in den Yogaübungsweg, um ihren gestaltenden Einfluss auf Körper und Geist zu nutzen.

KÖRPER
Mentale und emotionale Blockaden äußern sich immer auch auf der Ebene unseres Körpers. Aber auch umgekehrt haben eine bewusste Haltung, Atmung, Bewegung und Stimmqualität das Potential, einen Menschen emotional und mental zu zentrieren. Der klassische Yoga sowie auch die körperorientierte Psychologie besitzen ein tiefes Verständnis dieser Wechselwirkungen. In unserem yogapsychologischen Ansatz geht es darum, einen persönlichen Zugang zu diesem Potential zu finden – jenseits von richtig oder falsch. Wir verstehen den Körper als stofflichen Ausdruck unserer Individualität. Wenn wir erkennen, annehmen und zulassen, was wir sind, kann dies der Beginn eines tiefen und konstruktiven Veränderungsprozesses sein.

BEZIEHUNGEN
Ein Grundprinzip des Lebens ist fundamental dialogisch, kooperativ und so steht unser Selbst in einem ständig pulsierenden Austausch mit der Welt. Tiefgreifende und nachhaltige Selbsterfahrung, Selbstverwirklichung oder Selbstbefreiung kann immer nur im Dialog mit der äußeren Welt gelingen. Gleichzeitig sind unsere Schwierigkeiten, Blockaden und Verletzungen fast immer die Folge von traumatischen Beziehungserfahrungen. Sie sind der Grund, warum wir Angst haben (Abhinivesha), uns zu öffnen, zu vertrauen und hinzugeben – gegenüber anderen, uns selbst oder dem Leben. Yoga aber bedeutet sich zu verbinden, sich anzubinden. Daher ist das Thema „ Beziehung“ ein zentraler Bestandteil der Yogapsychologie. Gesunde Beziehung bedeutet nicht symbiotisch zu verschmelzen (Rāga). Vielmehr geht es um unsere Fähigkeit, in Kontakt zu gehen, ohne uns in ihm zu verlieren. Daher lernen wir in der Yogapsychologie auf der einen Seite, innere und äußere Grenzen wahrzunehmen, ihre Bedeutung zu verstehen und das dahinterstehende Bedürfnis anzunehmen. Auf der anderen Seite üben wir unsere Unterscheidungsfähigkeit (Viveka). Mit ihrer Hilfe wird es möglich, vermeidende und blockierende Grenzen (Dvesha) zu erkennen. So können wir sie hinterfragen und überwinden. Damit sind wir in der Lage uns angemessen zu schützen und zurückzuziehen oder zu öffnen, Nähe herzustellen und in erfüllende Beziehung zu gehen.

In der freien Pulsation zwischen innerer und äußerer Verbindung, gelangen wir über die enge Identifikation mit dem Ego (Asmita) hinaus.