Yoga und Aggression

Yoga und Aggression, wie passt das zusammen? Die Frage klingt nach Provokation. Auf den ersten Blick scheinen beide unvereinbar. Zentrale Begriffe wie Ahimsa (Gewaltfreiheit) oder Shanti (Frieden) stehen der Aggression diametral gegenüber.

Doch schon wenn wir auf die Wortherkunft von Aggression blicken verändert sich dieses Bild. Aggression stammt vom lateinischen „aggredi“ und bedeutet zunächst „sich zubewegen auf“ oder „heranschreiten“. Ohne Aggression können wir uns nicht weiter entwickeln, ohne sie können wir weder unsere Bedürfnisse vertreten noch behaupten was wir lieben und was für uns wichtig ist. In der Depression fehlt genau diese Energie: betroffene Menschen verlieren ihre Kraft und Lebensfreude, ziehen sich zurück.

Die Gestalttherapie betrachtet die Aggression dementsprechend als Form der emotionalen Erregung, die dazu dient, Hindernisse zu beseitigen bzw. Bedürfnisse zu befriedigen. Aggression ist ein Ausdruck des Lebens, unserer Lebendigkeit.

Die Aufgabe besteht also weniger darin, die enorme Kraft der Aggression zu unterdrücken. In der Enge von Verbannung, Abspaltung oder Projektion wandelt sich Aggression in Zorn, Hass und Destruktivität. Vielmehr geht es darum, sich ihrer bewusst zu werden, um sie so in den Dienst eines konstruktiven Ziels stellen zu können.

An diesem Abend des Herz-Geist Yoga wollen wir versuchen, diese mächtige, lebendige Ur-Kraft des Lebens zu erforschen. Yoga bedeutet verbinden. Heilung bedeutet ganz werden. Und so werden Frieden und Freiheit erst möglich, wenn wir jeden Teil von uns erkennen, annehmen und integrieren.