Yoga und Lust

Kann das Erfahren von Lust auf dem Weg des Yoga ein Hindernis sein? Nicht wenige der klassischen indischen Lehrer fordern dazu, auf unsere Lust zu überwinden. So bedeutet auch Brahmacharya, eine der fünf ethischen Leitlinien bei Patanjali, Enthaltsamkeit und Keuschheit. Kann oder möchte ich diesen Weg gehen?

Im Deutschen beschreibt der Begriff „Lust“ zunächst ein intensives und angenehmes Erleben. Die zeitgenössische Psychologie nennt Lustgewinn und Unlustvermeidung sogar als eines der vier Grundbedürfnisse, welches zu unserer psychischen Gesundheit gehört. Wie passen Yoga, Lust und Gesundheit also zusammen?

Wörtlich übersetzt bedeutet Brahmacharya; „Wandel in Brahman (dem Absoluten)“. Wenn wir die Welt als einen Ausdruck des Göttlichen verstehen, spricht nichts dagegen, diese Welt lustvoll zu genießen. Im Englischen bedeutet „Lust“ Verlangen, Begierde oder Wollust. So gesehen, wird Lust erst dann zu einem Hindernis, wenn wir uns auf ihr Erleben fokussieren, uns abhängig machen und darüber das Göttliche vergessen.

Lust gehört zum Ausdruck unseres Selbst. Sie richtet uns auf das aus, was uns wohltut. Dabei ermöglicht uns Viveka, die Unterscheidungskraft, auch Dinge zu tun, die sich nicht unmittelbar lustvoll anfühlen – manchmal sogar beschwerlich. Letztendlich geht es auch darum, spätere Folgen einer Unlusterfahrung zu vermeiden.

Das Lebensprinzip Lust/Eros kann uns in das Göttliche hinein führen. Wenn wir uns widerstandslos für das Leben öffnen und uns von ihm erfüllen lassen, gelangen wir über die Vorlieben und Abneigungen des Egos hinaus. Wir wandeln in Brahman und die Lust am Leben wird Ausdruck unserer absoluten Liebe.

An diesem Abend des Herz-Geist Yoga wollen wir uns mit dem Thema der Lust auseinandersetzen, persönliche Widersprüche auflösen, Erfahrungen austauschen und sie in die Asanas, das Pranayama und die Meditation hineinnehmen.

Der Abend wird von Martin Witthöft geleitet.

Du bist herzlich willkommen!